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Die 90er Jahre

Das Jahrzehnt zwischen Bezirksliga-Spitze und Kreisliga
Nach Jahren des steten Aufschwungs musste irgendwann einmal eine Zäsur folgen. Die Saison 1990/91 kann dahingehend als gewisser Einschnitt gewertet werden. Viele Verletzungen und manch ein Abgang, darunter jener von Torjäger Georg Rothmund, mussten kompensiert werden.

Dies gelang nur teilweise. Am Ende rangierte der SVE auf dem zehnten Platz. Die zweite Mannschaft litt doppelt unter der dünnen Spielerdecke. Aus ihren Reihen wurden viele Kicker für die "Erste" rekrutiert. Sie landete auf dem 16. Platz.
Friedhelm Glomsda geht
Es war dies die letzte Saison von Trainer "Männie" Glomsda. Fünf Jahre dauerte diese "Ehe" zwischen ihm und dem Sportverein Ewattingen. In dieser Zeit mischte man gemeinsam die heimische Fußballwelt gehörig auf. "Mannie" war ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Fußball, der seine Spieler im Training und beim Spiel dirigierte. Aber da war schon noch einiges mehr: Er traf den Nerv der Mannschaft. Die fünfjährige Zusammenarbeit erwies sich als echter Glücksfall für den Verein. Er war ein Disziplin fordernder und auch harter Trainer. Doch schon kurz nach einer Partie wurde er zum guten Kumpel, mit dem die Spieler über ihre Fußballwelt (und nicht nur die) sprechen konnten. Und feiern konnte er wie kaum ein anderer. Ungezählt die Feste im Clubhaus bis in den frühen Morgen. Es war ohne Zweifel eine außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen dem SVE und Friedhelm Glomsda. Die Qualität eines langfristigen Zusammenwirkens lässt sich in der Regel immer dadurch am besten, in dem man auf Anfang, Ende und die Zeit danach blickt. Im Fall Friedhelm Glomsda - SVE spricht dieser Blick eine eindeutige Sprache.
Der Anfang: Schon bei seinem ersten Spiel als Trainer, einem Freundschaftsspiel gegen Kreenheinstetten, ging „Männie“ Glomsda erst um 4:45 Uhr aus dem Clubhaus in Richtung Heimat. Das Ende: Bei seinem Abschied nach dem letzten Punktspiel der Saison 1990/91 gegen den FC Pfaffenweiler meinte ein sichtlich bewegter "Mannie" in Kennedy-Manier: "Ich bin ein Ewattinger".
Das Danach: Noch heute ist Friedhelm Glomsda ein gern gesehener Gast "Auf Eck". Seine messerscharfen Analysen des Spiels sind noch immer gefürchtet. Nicht selten wird aus dem kurzen Abstecher eine Dauersitzung bis spät in die Nacht.
Eine Person darf hierbei natürlich nicht vergessen werden: Seine Frau Ilse. Spaß, ja sicher, Spaß hatte auch sie in Ewattingen. Doch manches mal summierten sich im Clubhaus Phonstärke der Musikanlage, Gesang (Gegröle?!) der Gäste und das fast schon legendäre Sitzfleisch ihres Gatten zu einem Gemenge, das selbst ihre gestählten Nerven vor eine nicht mehr zu lösenden Aufgabe stellte. Das Positive überwog natürlich dennoch. Wie meinte Ilse Glomsda bei der Abschiedsfeier: "Es war eine schöne Zeit in Ewattingen". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Abschied nehmen hieß es auch von Käthe und Fred Faller. Aus gesundheitlichen Gründen musste Fred, den jeder nur "Jackson" nannte, den Job als Clubhauswirt aufgeben. Schade, denn sie führten das Vereinsheim ausgezeichnet. Viele Jahre standen sie hinter dem Tresen, und Fred Faller erwies sich als Mann der keinen Schlaf braucht. Geduldig harrte er auch bei den letzten beiden Gästen aus, die nur noch spärlich an ihrem Bier nippten, obwohl er am nächsten Morgen zur Arbeit musste.
Max Burger tritt zurück
Am ersten März 1991 ging eine Ära zu Ende. Bei der Generalversammlung im "Hirschen" trat Max Burger von seinem Amt als erster Vorsitzender zurück. (siehe Persönliches). Da kein Nachfolger gefunden werden konnte, übernahm Roland Baumgärtner als Stellvertreter kommissarisch den Chefsessel. Neun weitere Jahre sollte er auf diesem verbringen. Roland Baumgärtner führte den Verein souverän in der Sache, kollegial im Stil. Kontinuierlich setzte er die Arbeit seiner Vorgänger fort; gedanklich immer an Verbesserungsansätzen arbeitend. Mit zwei Projekten in seiner Ägide sollte ihm dies auch gelingen. Zum einen wurde auf der dem Clubhaus gegenüber liegenden Seite des Sportplatzes die Bandenwerbung eingerichtet. Zum andern schreinerten die Mitglieder des SVE 1997 eine schmucke Festhütte, die während der Sommermonate neben dem Vereinsheim thront.

Trainer Kurt Walther kommt
Auf die Regentschaft von Friedhelm Glomsda folgte Kurt Walther. Der Mann aus Stühlingen trainierte zuvor die A-Jugend von Schaffhausen Nach gutem Start sackte der SVE immer weiter in hintere Tabellenregionen. Der Klassenerhalt stand auf des Messers Schneide. Am Ende wurde die erste Mannschaft 13. und war damit Viertletzter. Nur dem glücklichen Umstand von lediglich drei Absteigern war es zu verdanken, dass die Blau-Weißen im Bezirksoberhaus bleiben durften. Die zweite Mannschaft tat es der Ersten gleich und rangierte ebenfalls auf Platz 13.
Neue Saison, neues Glück, dachte man beim SVE. Doch schon im ersten Training für die Saison 1992/93 verletzte sich Mittelfeldspieler Stefan Kech schwer. Diagnose: Kreuzbandriss im linken Knie. Dafür rückte Rekonvaleszent Arnold Baumgärtner nach beinahe drei-jähriger Auszeit wieder in den Kader. Die Vorrunde ging total daneben. Mit nur 12 Punkten erlebte man an Weihnachten im Tabellenkeller eine alles andere als schöne Bescherung. Das Wort "Kreisliga" stieg mehr als deutlich am Horizont auf. Doch die Blau-Weißen schafften die Wende. Die Rückrunde schloss man als zweitbestes Team ab und rückte mit dieser hervorragenden Leistung noch auf den siebten Rang vor. Die zweite Mannschaft belegte den 10. Rang.

Volleyball
Im Jahr 1993 sollte sich das sportliche Angebot unter dem Dach des SVE noch einmal erweitern. Bei der Generalversammlung im Clubhaus stellte Michael Faller den Antrag, die 1989 gegründete Volleyballmannschaft in den Verein aufzunehmen. Die Mitglieder votierten einstimmig dafür. Schon in der Jahren zuvor entwickelte sich die Volleyballgruppe zu einer festen Abteilung. Bereits 1990 nahm sie zum ersten Mal an der Hobby-Runde im Bezirk Schwarzwald teil. Der Andrang war derart groß, dass nur ein Jahr später Trainingsabende für Jugendliche eingeführt wurden. 1992 feierte schließlich das Dreikönigsturnier seine Premiere. Seither treffen sich die Ewattinger Laienspieler in Sachen Volleyball stets am 6. Januar jeden Jahres in der Wutachhalle und versuchen sich im Baggern oder Schmettern. Beleuchtet man die sportliche Seite der "Tiefflieger" - so nennt sich die Volleyballabteilung - dann kann von einer Erfolgs-Story gesprochen werden.
Seit 1990 bestritten die Ewattinger Volleyballer 60 Freundschaftsspiele und etwa 50 Turniere. 1995 wurden sie Freizeitmeister des Bezirks Schwarzwald, sechs Mal "Vize". 1998 standen sie auf sogar auf dem Siegespodest bei den Aktivenmannschaften. Der zweite Rang im Bezirkspokalwettbewerb war eine grandiose Leistung. Mit ihren Erfolgen gehören die Ewattinger zu den drei besten Volleyballteams im Freizeitbereich des Bezirks Schwarzwald. Die "Tiefflieger" im Jahr 2000: Nina Dziewiecki, Robert Eichler, Barbara Elbers, Michael Faller, Miriam Graunke, Thorsten Graunke, Volker Hettich, Udo Huber, Hubert Kienzle, Uwe Knaak, Johannes Müller, Paul Müller, Ellen Pfeiffer, Regina Piesche, Armin Pollinger, Harald Pollinger, Gabi Reiner, Ankica Rothmund, Rainer Rothmund und Nicole Wiest.

Die Sensations-Runde 1993/94
Zurück zum Fußball. Trainer Walther verließ nach zwei Jahren den SVE. Der neue Mann an der Bande hieß Reinhard Lickert. Lickert übernahm eine intakte Mannschaft. Auch die Größe des Kaders fiel für Ewattinger, nicht für Bezirksligaverhältnisse, recht ordentlich aus. Das Team erwischte einen gelungenen Saisonauftakt. Dieser sorgte für das nötige Selbstbewusstsein, denn die Blau-Weißen steigerten sich im weiteren Verlauf mehr und mehr. Etwaigen Abstiegssorgen entledigte man sich weitgehend bereits zur Winterpause, als man sich mit 17:11 Punkten im vorderen Drittel der Tabelle festsetzte.
In der Rückrunde knüpften die Fußballer nahtlos an die bisherigen starken Leistungen an. In der Tabelle kletterte der SVE immer weiter nach oben. Sollte gar noch mehr möglich sein? Sollte das Unmögliche möglich werden? Kaum einer traute sich, die Sache beim Namen zu nennen. Doch als die Mannschaft auf dem zweiten Platz stand kursierte das bisherige Unwort "Landesliga" langsam aber sicher durch die Gespräche der Insider. Zwar war Spitzenreiter TuS Immendingen schon etliche Punkte enteilt, aber im direkten Vergleich hatten die Ewattinger noch die Chance, heranzurücken. Es blieb allerdings ein unerfüllter Wunsch. Mit 5:0 gewannen die Immendinger deutlich. Sie stellten in dieser Spielrunde ohne Zweifel die stärkste Mannschaft und wurden souverän Meister (Der TuS Immendingen spielt seither in der Landesliga) Von dieser Packung ließen sich die Ewattinger Spieler nicht entmutigen. Die Meisterschaft war dadurch zwar endgültig tabu, doch der zweite Platz und die damit einhergehenden Aufstiegsspiele lockten.
Und siehe da, dieser wohl größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des SVE wurde erreicht. Die Mannschaft wurde Vizemeister. Besonders auf heimischem Terrain war man eine Macht. Bei 25:5 Punkten gelang es keinem Gegner, in Ewattingen "Auf Eck" einen sieg zu landen.

Relegationsspiel zur Landesliga in Engen
Auf dem Boden bleiben, nicht in Euphorie verfallen, lautete die Devise vor dem Kräftemessen mit dem VfR Engen, dem Zweitplatzierten der Bezirkliga Bodensee.
Mit Fahnen, Trommeln, Hupen und Trompeten zog am 5. Juni 1994 die blau-weiße Fankarawane unüberhörbar zum ersten Relegationsspiel in Engen ein. Die Gastgeber spielten zunächst überlegen und drängten den SVE über weite Strecken in die eigene Hälfte. Das 1:0 in der 38. Minute war verdient. Doch unmittelbar vor dem Pausenpfiff schlug Gerhard (Flex) Baumgärtner zu. Sein Flachschuss zischte in der 45. Minute zum 1:1 Ausgleich in die Maschen. Nach der Pause erwischte Engen erneut den besseren Start. Besonders die brandgefährlichen Stürmer sorgten immer wieder für Gefahr. Doch je länger die Begegnung dauerte, desto besser bekamen die Blau-Weißen den Gegner in den Griff. In der 68. Minute ging Engen allerdings erneut in Führung. Bei diesem 2:1 blieb es bis zum Schlusspfiff. Mit diesem Ergebnis konnten Mannschaft und Fans gut leben. Die Chancen auf den großen Wurf blieben gewahrt.
Das entscheidende Rückspiel im Stadion "Auf Eck" sollte zu dem Großereignis schlechthin werden. Noch nie dürften so viele Zuschauer einem Spiel in Ewattingen zugeschaut haben als an diesem 12. Juni 1994. Etwa 1400 aus der gesamten Region waren es, die dieser spannenden Begegnung beiwohnten. Das Drumherum war mit Bierzelt und Würstchenständen perfekt organisiert. Vorsitzender Roland Baumgärtner und seine Helfer hatten ganze Arbeit geleistet, um diesem Ansturm gerecht zu werden.
Der SVE begann furios. Im Minutentakt erspielte sich die Mannschaft Chance um Chance. Doch das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Dann, in der 26. Minute, folgte eine Szene, die viele für spielentscheidend hielten: Der Schiedsrichter zeigte Arnold Baumgärtner nach einem Allerweltsfoul die Ampelkarte, (Zuvor Gelb wegen Ballwegschlagens). Eine völlig überzogene Entscheidung des Schiedsrichters. Doch auch mit zehn Mann hielt der SVE mit, wenngleich der Spielfluss gegen das starke Engener Kollektiv teilweise verloren ging. In der 44. Minute erzielte der VfR Engen die Führung. In der zweiten Halbzeit schwanden die Kräfte zusehends bei den Gastgebern. Angetrieben von den Fans gingen sie bis an die Leistungsgrenze, doch in der 66. Minute folgte der nächste Nackenschlag. Detlef Bodenseh humpelte mit einer schweren Zerrung vom Platz, den er erst vier Minuten zuvor betreten hatte. Da der SVE bereits zweimal ausgewechselt hatte, musste er eine knappe halbe Stunde mit neun Mann weiterspielen. Damit war das Team überfordert. Das 0:2 entschied die Partie. Der unermüdliche Einsatz der Blau-Weißen wurde noch mit dem 1:2 Anschlusstreffer durch Dieter Vetter belohnt. Den Aufstieg hatte man verpasst, aber in Erinnerung wird eine blitzsaubere Saison 19994/95 bleiben. Und natürlich die beiden Relegationsspiele mit der Rekordkulisse in Ewattingen.

Die Saison der Katastrophen
Saison 1995/96: Würde es nicht der Chronistenpflicht widersprechen, so müsste man dieses Jahr aus Sicht des Sportverein Ewattingen mit dem Mantel des Schweigens belegen. Als Löwe gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Auf diesen Sinnspruch lassen sich diese Monate zusammenfassen. Oder korrekter: Als Vizemeister gestartet und am Ende in der Kreisliga A gelandet. Wie konnte es zu diesem Absturz kommen? Eine eingehende Erörterung der Ursachen würde den Rahmen dieses Werks sprengen. Außerdem lassen sich in der Retrospektive gewisse Fehlentwicklungen immer ganz leicht als solche deuten, die während des Saisonverlaufs so nicht erkennbar sind.
Eines steht allerdings fest: Wohl selten hätte ein Abstieg leichter verhindert werden können als in dieser Runde. Einige Spieler resignierten zu schnell, denn am Ende mussten nur zwei Mannschaften (neben dem SVE noch der FC Pfohren) absteigen. Insgesamt war beinahe während der gesamten Spielzeit eine vergleichsweise gedrückte Stimmung innerhalb des Teams zu beobachten. Zudem ereilte den SVE jenes Phänomen, das Mannschaften in hinteren Gefilden stets befällt. Glücksgöttin "Fortuna" schüttete ihr Füllhorn nur selten auf die Kickschuhe der Blau-Weißen. Oder um es mit den Worten des (unfreiwilligen) Philosophen Jürgen Wegmann, ehedem Spieler bei Borussia Dortmund und Bayern München auszudrücken: "Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch das Pech dazu".
Sei's drum, der SVE wurde Letzter und kickte wieder auf Kreisebene. Nach sechs Jahren schloss sich damit das Kapitel "Bezirksliga". Die "Zweite" marschierte brav mit; als Zwangsabsteiger und 15. der Tabelle stieg sie aus doppeltem Grund in die Kreisliga B ab. Viele befürchteten einen endgültigen Abschied vom Bezirksoberhaus. Einige Pessimisten malten gar das Horrorszenario eines negativen Durchmarsches in die Kreisliga B in düsteren Farben an die Wand. Doch hier zeigte sich wieder einmal eine Stärke des SVE, die in all den Jahren als Basis für die vielen Erfolge diente: Die enge Verbundenheit der Spieler zum Verein. Keiner verließ den Club. Das vielzitierte "An-einem-Stang-ziehen" - hier bewiesen Spieler und Vorstand, dass es sich in Ewattingen dabei nicht nur um inhaltsleeres Gerede handelt.
Neuer Trainer: Karl-Heinz Keßler löst Reinhard Lickert ab
Mit einem neuen Trainer, Karl-Heinz Kessler löste Reinhard Lickert ab, startete der SVE in die Saison 1996/97. Von wegen durchgereicht werden. Die Erfahrung der Bezirksliga-Ära sollte sich als gewichtiges Plus erweisen. Von Beginn an spielten die Ewattinger vorn mit. Im Verlauf der Saison kristallisierte sich mit dem SV Saig, dem TuS Bonndorf und den Blau-Weißen ein Spitzentrio heraus, das die Vergabe der Meisterschaft unzweideutig unter sich ausmachen würde. Für interessierte Beobachter hatte es zuweilen den Anschein, dass sich Bonndorf und Ewattingen in guter nachbarschaftlicher Rivalität zu sehr auf dieses Duell konzentrierten, zumal Reinhard Lickert nach seinem Abschied aus Ewattingen beim TuS anheuerte. Dabei verloren sie ganz offensichtlich den SV Saig aus dem Blickfeld, denn dieser schlich sich peu á peu nach vorn. Bis die Hochschwarzwälder schließlich bereits zwei Runden vor Saisonende als Titelträger feststanden. An diesem Spieltag hieß es "High noon im Waldstadion Bonndorf". Der direkte Vergleich sollte über die Vizemeisterschaft entscheiden. Ewattingen musste gewinnen, lag man doch mit einem Zähler hinter den Bonndorfern. Keiner konnte damals ahnen, dass sich ein Saisonfinale entwickeln sollte, an dem selbst Altmeister Alfred Hitchcock seine liebe Freude gehabt hätte. Dabei rettete ausgerechnet der ehemalige Trainer Lickert, nun im schwarz-roten Dress der Bonndorfer, einen Schuss auf der Linie. Allerdings nahm er dabei eindeutig die Hand zu Hilfe. Sämtliche Zuschauer und Spieler sahen dies; der Schiri leider nicht. Er ließ völlig unverständlich weiterspielen. Damit schien die Sache gelaufen.
Der TuS Bonndorf stand mit mehr als einem Bein in den Aufstiegsspielen, schließlich ging es im letzten Rundenspiel gegen den SV Titisee, der jenseits von Gut und Böse im Mittelfeld der Tabelle rangierte. Jeder dachte so - und jeder lag mit dieser Prognose falsch. Der SVE spielte zum Saisonfinale daheim gegen den SV St. Blasien. Allerdings liefen während dieser Partie das Telefon im Clubhaus und die Handys der Zuschauer heiß. Ständig informierte man sich trotz der vordergründig hoffungslosen Situation über den Spielstand in Titisee. Laufend änderte sich der vermeintliche Spielstand. Informationen und Fehlinformationen machten die Runde. Um 17.45 Uhr dann das Ende. Der SVE hatte gegen St. Blasien 5:1 gewonnen. Dann die unglaubliche Nachricht aus Lenzkirch: Der TuS Bonndorf hat verloren. Sollte man, ja darf man dieser Nachricht glauben? Man durfte! Wieder einmal hatten die Spieler aus dem "Sonnenschalen-Städtchen" das Nachsehen gegenüber dem SVE. Ein Zustand, der seit nunmehr einem Jahrzehnt fester Bestandteil der heimischen Fußballwelt war. Die Jubelgesänge von Fans und Spielern dürften wohl sogar in Bonndorf zu hören gewesen sein. Zwei Tage später erschien das Foto der erfolgreichen SVE-Spieler in den heimischen Gazetten. Mit einem von Andi Hofbaur gepinselten "Danke TuS" bedankten sie sich artig bei ihren Kontrahenten für die nicht mehr erwarteten Glücksgefühle. Grund zur Freude gab es noch mehr: Im Bezirkspokal erreichte der SVE das Endspiel.

Relegationsspiele zur Bezirksliga gegen den FC Bad Dürrheim
Zunächst standen jedoch die Aufstiegsspiele auf dem Programm. Der Gegner hieß FC Bad Dürrheim. Die Geschichte des Hinspiels ist schnell erzählt. Die Blau-Weißen verschliefen diese Begegnung. Die Zuschauer sahen weite Strecken eine enttäuschende Partie, die der SVE mit 0:1 verlor. Ganz anders das Rückspiel in Bad Dürrheim. Die Elf von Karl-Heinz Kessler war nicht wieder zu erkennen. Technisch versiert und mit raumgreifenden Aktionen erwies sie sich als dominierende Mannschaft. Dennoch ging Bad Dürrheim in der zehnten Minute überraschend in Führung. Nur zwei Minuten vor dem Pausenpfiff gelang dem reaktivierten Routinier Georg "Schorsch" Rothmund der Ausgleich. In der zweiten Hälfte verstärkte der SVE den Druck immer mehr, und in der 75. Minute erzielte Christian Micheluzzi das 2:1 Bei diesem Ergebnis blieb es nach 90. Minuten und auch nach der Verlängerung. Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Und hier bewiesen die Salinenstädter die besseren Nerven.
Sie setzten sich mit einem Treffer mehr durch und stiegen somit in die Bezirksliga auf. Die Chance auf einen Titel war damit allerdings noch nicht vertan. Das Bezirkspokalendspiel gegen den SV Grafenhausen stand noch an. Bei hochsommerlichen Temperaturen in Rötenbach hieß der Gegner SV Grafenhausen. Die Hochschwarzwälder setzten sich knapp mit 2:1 durch. Fred Schmidt erzielte den Anschlusstreffer in der 86. Minute.
Trotz dieser beiden unglücklichen Niederlagen hielt sich die Trauer in Ewattingen in Grenzen. Ganz im Gegenteil: Die Freude über eine ganz ausgezeichnete Saison überwog eindeutig. Die düsteren Orakel zu Beginn wurden eindrucksvoll widerlegt. Einen großen Anteil am Erfolg hatten die Spieler der AH-Mannschaft. sie sprangen in die Bresche, wenn Not am Mann herrschte. Erfahrene Fußballe wie Alex Riester oder Georg Rothmund gehörten aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen wieder zur Stammelf. Sie hatten eben von ihrem Können nichts verlernt. An manchen Spieltagen betrug das Durchschnittsalter der Ersten mehr als 30 Jahre. Dies lag nur bedingt an den geburtenschwachen Jahrgängen, die einen Verein wie den SVE, der keinerlei finanzielle Mittel für Spielerkäufe aufbringen kann und will, besonders hart treffen. Nein, vielmehr führte die katastrophale Trainingsmoral der zweiten Mannschaft zu diesen Engpässen. Nur wenige Spieler nahmen regelmäßig an den Übungseinheiten teil. Dadurch vergrößerte sich das Leistungsgefälle immer mehr. So sehr, dass der Sprung in die Bezirksliga für die meisten zu groß war. (Bedauerlicherweise hält die Trainingsabstinenz der Zweiten bis heute an).
Die zweite Spielrunde unter Trainer Karl-Heinz Keßler sollte noch erfolgreicher werden. Das bedeutete? Richtig, Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Ein echtes Bravourstück der Mannschaft, die frei von irgendwelchem Druck beeindruckend aufspielte.
Die Jugendabteilung knüpfte nach längerer Durststrecke wieder an erfolgreichere Zeiten an. Elf Jahre nach dem letzten Titel für eine Nachwuchself holte die A-Jugend in der Herbstrunde 1995/96 einen Meistertitel nach Ewattingen. Der Trainer hieß beide Male Harald Adelbrecht.

Trainerfrage wird gestellt
Endlich wieder im Bezirksoberhaus. Das Ziel, nach dem Abstieg vor zwei Jahren in weitester Ferne geglaubt, wurde überzeugend erreicht. Friede, Freude, Schulterklopfen in Ewattingen? Mitnichten! Trotz seiner erfolgreichen Bilanz war Trainer Keßler bei Teilen der Mannschaft nicht unumstritten. Soll der bisherige Trainer in der kommenden Spielzeit weiterhin an der Bande stehen oder soll ein neuer Mann seinen Platz einnehmen? Diese Frage wurde intensiv debattiert. Vorsitzender Roland Baumgärtner überließ diese Entscheidung den Spielern. Ein richtiger Schritt, denn genau diese sind es, die naturgemäß den unmittelbarsten Kontakt mit dem Übungsleiter pflegen. Die Aktiven votierten gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Karl-Heinz Keßler. Die Wege von Verein und Trainer trennten sich und letzterer konnte seine Enttäuschung nicht verhehlen, wie sich in einem Zeitungsinterview deutlich herauslesen ließ. Allerdings betonte er gleichzeitig, nicht im Groll zu scheiden. "Es war eine schöne Zeit in Ewattingen und eine erfolgreiche dazu", lautete sein abschließendes Resümee.
Dennoch: Aus dieser Trennung wurden Lehren gezogen. Der Entschluss, die Spieler letztendlich über ihren neuen Coach abstimmen zu lassen, war und ist richtig. "Doch in Zukunft wird sich der Kreis auf jene beschränken, die sich auch tatsächlich am Training beteiligen. Denn dies ist die Grundvoraussetzung für eine Beurteilung der Trainerarbeit", meinte denn auch Roland Baumgärtner.

Der neue Mann an der Bande: Heinz-Jürgen Koulmann
Im Zwei-Jahre-Rhythmus ging es also wieder an die Trainersuche. In Blumberg wurden die Verantwortlichen des SVE fündig. Heinz-Jürgen Koulmann nahm das Zepter in die Hand. Und siehe da, die Spielerdecke wurde erneut fülliger. Wieder stießen drei Jugendspieler in den Aktivenkader. Das Ziel hieß Klassenerhalt, darüber hinausgehende Gedankenspiele existierten kaum. Heinz-Jürgen Koulmann versuchte, das spielerische Moment wieder zu fördern, denn an Spielwitz und Kreativität fehlte es doch allenthalben. Dass es eine schwere Saison werden würde, stand schon vor dem ersten Anpfiff fest. "Fünf Absteiger" lautete das Schreckgespenst. Da die Liga mit 17 Teams startete, musste man von dieser Zahl ausgehen. Dies hatte natürlich seine Auswirkungen auf die Tabelle. Mehr als die Hälfte der Mannschaften befand sich in Abstiegsgefahr. Die Blau-Weißen zeigten sich
allerdings gut gerüstet. Der Klassenerhalt konnte eine Woche vor Toresschluss unter Dach und Fach gebracht werden. Platz elf hieß es am Ende.
Ein ordentlicher Einstand des neuen Trainers. Gemäß dem Motto "Stillstand ist Rückschritt" richtete Heinz-Jürgen Koulmann seine Blicke begehrlich in höhere Regionen. "Zumindest ein einstelliger Tabellenplatz soll es werden", meinte er im Vorfeld selbstbewusst. Es kam - wie so oft - ganz anders. Der SVE spielte eine der schlechtesten Vorrunden überhaupt. Mit erbarmungswürdigen 12 Punkten war man bis dato Vorletzter. Als nach der Winterpause selbst gegen das abgeschlagene Schlusslicht DJK Villingen II verloren wurde, hätte wohl nicht einmal mehr ein wettverrückter Brite einen Penny auf den SVE gesetzt. Doch wieder einmal bewiesen die Spieler "Münchhausen-Qualitäten". Sie zogen sich am eigenen Schopf aus dem fußballerischen Sumpf. Zwei Siege und ein Unentschieden gegen den jeweiligen Spitzenreiter (Bad Dürrheim, DJK und FV Donaueschingen) läuteten die Wende ein. Spannend blieb es allerdings bis zum Schluss. Am letzten Spieltag reiste der bereits als Absteiger feststehende SV Grafenhausen an. Aus eigener Kraft konnten die Blau-Weißen den Gang in die Kreisliga A nicht mehr verhindern. Sie waren auf Schützenhilfe angewiesen. Eine solche gab es an diesem Samstag reichlich. Der Spieltag verlief derart positiv-kurios, dass der SVE nach seinem glanzvollen 7:2 Sieg noch auf den zehnten Rang geradezu emporschoss. Runter ging's für den FV St Georgen, der bis dato nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz anzutreffen gewesen war.
Das Ende dieser Saison bedeutet zugleich das Karriere-Ende dreier Spieler. Nach einem Jahr in Ewattingen verabschiedete sich Cyrill Botos aus Dillendorf. Auch Andi Hofbaur hängte seine Kickschuhe nach über 20 aktiven Jahren an den Nagel. Und noch einer trat zurück. Arnold Baumgärtner. Fast 30! Jahre kickte er für den Sportverein Ewattingen. 30 Jahre, in denen er sämtliche Höhen und Tiefen in kaum zu glaubender Form erlebte. Zahlreiche Meisterschaften bereits in der Jugend, 4 Titel mit den Aktiven, zweimal im Bezirkspokalendspiel, dazu noch Vizemeister in der Bezirksliga. Von den unzähligen Siegen bei Pokalturnieren ganz zu schweigen. Kaum ein Erfolg des SVE, an dem er nicht beteiligt war.
Der neue Vorsitzende Stefan Kech, er löste Roland Baumgärtner ab, dessen berufliche Belastung eine weitere Amtsperiode nicht mehr zuließ, organisierte Arnold Baumgärtner für seine außergewöhnlichen Verdienste ein Abschiedsspiel.
Ehemalige Mitspieler und prominente Fußballer aus der ganzen Region traten gegen die erste Mannschaft an. Der jugendliche Elan setzte sich in dieser Partie eindeutig durch.

Die Saison ins neue Jahrtausend
Erneut tummelten sich in der Bezirksliga 17 Teams. Damit war klar, dass es wieder bis zu fünf Absteiger geben wird. Bei dieser Konstellation konnte das Ziel nur Klassenerhalt lauten. Mit kleinem Kader gingen die Blau-Weißen an diese große Aufgabe. Im Vergleich zur Vorsaison konnte die Mannschaft ihr spielerisches Potential steigern. Dies und die Tatsache, dass man weitestgehend von Verletzungen verschont blieb, katapultierte die Mannschaft zur Winterpause auf den siebten Tabellenplatz. Nur mühsam kamen die Spieler nach Winterpause und Fasnet aus den Startlöchern. Punkt für Punkt wurde verschenkt, vor allem deshalb, weil man das gegnerische Tor nicht traf. Das Wort von den "Maurermeistern der Liga" machte die Runde. Bis zum letzten Spieltag musste um den Klassenerhalt gebangt werden. Im letzten Heimspiel gegen den FC Unterkirnach musste mindestens ein Punkt ergattert werden. Und dabei stand ein neuer Mann am Spielfeldrand. Hans-Joachim Käfer, eigentlich erst für die kommende Saison engagiert, sprang für den im Urlaub weilenden Heinz-Jürgen Koulmann spontan ein. Die hervorragend eingestellte Mannschaft lieferte eines der besten Saisonspiele und gewann mit 3:0. Ein toller und wichtiger Abschluss, denn auf ein Geschenk in Form eines Abstiegs konnte zum 50. Geburtstag getrost verzichtet werden.

50 Jahre Sportverein Ewattingen
Es war ein wellenartiges Jahrzehnt, dieses letzte vor dem Jahrtausendwechsel. Doch entgegen der Prognosen etlicher "Schwarzmaler" spielte sich der SVE nicht ins Tal der Tränen. Ganz im Gegenteil: Die Erfolgsmomente überwogen mehr als deutlich. Bezirkspokalendspiel, beinahe der Aufstieg in die Landesliga und zwei Meisterschaften sprechen für sich. Überhaupt: Man hat sich zwar im Laufe der Jahre daran gewöhnt, dass der SVE in der Bezirksliga spielt, doch diese Tatsache ist alles andere als selbstverständlich. Die Spieler in Blau-Weiß haben in den vergangenen Jahren ihre Farben und damit die Farben des Vereins mehr als würdig vertreten.

...auf in die nächsten 50 Jahre...

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